Mein Taufzeugnis
Wenn ich zurückblicke, weiß ich, dass Gott schon immer da war. Aber ich habe ihn nicht wahrgenommen. Stattdessen war da diese ständige, quälende Leere. Ich dachte, ich muss sie mit Leistung füllen, aber die Leere blieb.
Mein Taufzeugnis
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Vom Jagen nach Wind zur Ruhe in Christus – Ein Taufzeugnis der Gnade
Der Ruf aus der Tiefe
Liebe Gemeinde, liebe Geschwister, liebe Freunde,
ich stehe heute hier vor euch, nicht als ein Mann, der alles im Griff hat, sondern als ein Mensch, der von der Gnade Gottes gefunden wurde. Wenn du heute hier sitzt, möchte ich dich einladen, für einen Moment dein eigenes Leben zu betrachten. Hast du dich jemals gefragt, warum wir trotz Erfolg, trotz voller Terminkalender und materieller Sicherheit oft eine Leere in uns spüren, die durch nichts Irdisches zu füllen ist?
In der Heiligen Schrift finden wir im Buch Prediger eine nüchterne Analyse unseres menschlichen Strebens:
„Ich sah an alle Werke, die meine Hände vollbracht hatten, und an die Mühe, die ich mich mit dem Tun abgegeben hatte: Und siehe, das alles war Eitelkeit und ein Haschen nach Wind; und es gibt keinen Gewinn unter der Sonne.“ (Prediger 2,11; Elberfelder)
Genau dort stand ich. Mein Zeugnis ist keine Geschichte über meine Stärke, sondern über Gottes Treue. Es ist die Geschichte eines Mannes, der dachte, er müsse die Welt auf seinen Schultern tragen, bis er dem Einen begegnete, der das Kreuz für ihn getragen hat.
Die Illusion der Fülle – Wenn das „Mehr“ nicht reicht
Lange Zeit dachte ich, mein Wert definiere sich über das, was ich leiste. Ich war der klassische „Macher“. Ein Vollzeitjob, die Selbstständigkeit als Fotograf, das Engagement im Sportverein und schließlich die Übernahme eines Gastronomiebetriebes als Familienprojekt. Von außen betrachtet war das ein Bild des Erfolgs. Anerkennung, Wohlstand, Aktivität.
Aber theologisch gesehen lebte ich in einer tiefen inneren Emigration vor Gott. Wir nennen das oft „Sünde“, aber Sünde ist im Kern nicht nur das Tun von falsche Dingen, sondern das Vertrauen auf falsche Dinge. Es ist der Versuch, das menschliche Herz, das für die Ewigkeit geschaffen wurde, mit zeitlichen Dingen zu sättigen.
Der Kirchenvater Augustinus sagte einmal: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“
Ich spürte diese Unruhe. Es war eine quälende Leere. Ich versuchte, das Loch in meiner Seele mit noch mehr Arbeit, noch mehr Projekten und noch mehr Bestätigung zuzuschütten. Doch je mehr ich tat, desto tiefer wurde der Abgrund. In der Bibel lesen wir in Jeremia über diesen menschlichen Zustand:
„Denn zwei Übel hat mein Volk begangen: Mich, den Quell lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.“ (Jeremia 2,13; Elberfelder)
Ich hatte mir rissige Zisternen gegraben. Ich dachte, Erfolg könnte meinen Durst löschen. Doch Gott, in seiner unendlichen Liebe, ließ nicht zu, dass ich in dieser Illusion blieb. Er ließ mich an einen Punkt kommen, an dem meine eigene Kraft am Ende war.
Reflexion für dich:
Wo in deinem Leben gräbst du gerade an „rissigen Zisternen“? Was ist das Projekt, der Job oder die Anerkennung, von der du hoffst, dass sie dich endlich ganz macht? Erkenne heute: Nur der Quell lebendigen Wassers kann deinen Durst wirklich stillen.
Der Zusammenbruch als Ort der Begegnung
Es war ein Dienstag. Ein Tag wie jeder andere, und doch war alles anders. An diesem Tag passierte das, was ich mir nie hätte vorstellen können: Mein System brach zusammen. Ein mentaler Burnout. Nichts ging mehr. Der „starke Mann“, der Fotograf, der Gastronom, der Sportler – er existierte nicht mehr. Übrig blieb nur ein weinender Mensch im Arm seiner Frau.
Vielleicht denkst du, ein solcher Zusammenbruch sei eine Niederlage. Doch biblisch gesehen ist das Ende unserer Kraft oft der Anfang der Gnade Gottes. In 2. Korinther sagt der Herr zu Paulus:
„Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen gebracht.“ (2. Korinther 12,9; Elberfelder)
In diesem Moment der totalen Zerbrüchlichkeit sprach meine Frau einen Satz aus, der nicht von dieser Welt zu kommen schien. Sie sah mich an und sagte: „Wir sind eins, nicht zwei, und wir tragen alles zusammen.“
Das ist nicht nur ein schöner romantischer Satz. Das ist tiefste biblische Theologie. Es ist das Geheimnis des Bundes. Gott hat die Ehe als ein Abbild seines Bundes mit uns geschaffen. In diesem Moment wurde das Evangelium für mich greifbar: Ich musste nicht alleine tragen.
Genesis sagt über die Ehe:
„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden zu einem Fleisch werden.“ (1. Mose 2,24; Elberfelder)
Dieses „Einssein“ war der Anker, den Gott mir in den Sturm warf. Er benutzte die Liebe meiner Frau, um mir zu zeigen, dass ich geliebt bin, ohne etwas leisten zu müssen. Es war die erste Ahnung von Gottes bedingungsloser Liebe, der Agape.
Die Gemeinschaft der Heiligen – Wo Masken fallen
Am nächsten Abend passierte etwas, das ich nur als göttliche Führung bezeichnen kann. Es zog mich in den Hauskreis in unserer Nachbarschaft. Wie oft war ich dort vorbeigefahren? Wie oft hatte ich ihren Gesang gehört und vielleicht innerlich gelächelt? Doch nun trieb mich die Not dorthin.
Was ich dort erlebte, war die „Gemeinschaft der Heiligen“ in ihrer reinsten Form. Ich wurde nicht bewertet. Niemand fragte nach meinem Umsatz oder meinen sportlichen Erfolgen. Ich durfte einfach „echt“ sein. In einer Welt, die auf Selbstdarstellung programmiert ist (besonders in meinem Beruf als Fotograf), war dies ein heiliger Raum.
Die Bibel beschreibt das Leben der ersten Christen so:
„Und sie verharrten in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten.“ (Apostelgeschichte 2,42; Elberfelder)
Dort, in diesem kleinen Wohnzimmer, begann mein Herz zu heilen. Ich verstand: Glaube ist kein Soloprojekt. Wir brauchen einander, um Christus in den Augen des anderen zu sehen. Wenn du dich einsam fühlst, such die Gemeinschaft derer, die Jesus lieben. Dort findest du Annahme, die nicht auf Leistung basiert.
Das prophetische Echo und der Durchbruch
Der darauffolgende Sonntag war der Tag, an dem Gott die letzte Mauer um mein Herz einriss. Viktor predigte. Das Thema war die Ehe. Und mitten in der Predigt sagte er exakt diesen einen Satz: „In einer Ehe ist man eins und nicht mehr zwei.“
In der Theologie nennen wir so etwas ein Kerygma – ein direktes Wort Gottes in eine spezifische Situation hinein. Es war, als hätte Gott den Vorhang beiseite geschoben und gesagt: „Ich sehe dich. Ich habe gehört, was deine Frau gesagt hat. Ich bin es, der durch sie gesprochen hat.“
Gott bestätigt sein Wort. Er lässt uns nicht im Unklaren.
Dann geschah etwas für mich Unvorstellbares. Das Lied „I speak Jesus“ begann. Wer mich kennt, weiß, dass ich Gefühle immer unter Verschluss hielt. Ein Mann weint nicht, ein Unternehmer funktioniert. Aber in diesem Moment brachen alle Dämme.
Es waren keine Tränen der Trauer, sondern Tränen der Befreiung. Es war das, was die Bibel als „Buße“ (Metanoia) beschreibt – eine Umkehr des Herzens.
„Denn die Traurigkeit Gott gemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Traurigkeit der Welt aber bewirkt den Tod.“ (2. Korinther 7,10; Elberfelder)
Diese Tränen wuschen den Dreck der Jahre, den Staub der Anstrengung und das Gift des Stolzes von meiner Seele. Ich wurde frei. In diesem Moment „sprach ich Jesus“ über mein Leben, meine Ehe, meine Arbeit und meine zerbrochene Identität.
Die Begegnung mit dem Heiligen Geist – Frieden über dem Verstand
Die Woche darauf war der Härtetest. Der Stress war nicht weg. Die Anfeindungen und beruflichen Herausforderungen waren immer noch da. Aber ich war nicht mehr derselbe.
Ich erlebte etwas Übernatürliches. Inmitten des Chaos schenkte Gott mir eine Ruhe, die menschlich nicht zu erklären war. Das ist der Friede, von dem Philipper 4 spricht:
„Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“ (Philipper 4,7; Elberfelder)
Das war die Begegnung mit dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist nicht nur eine abstrakte Kraft, er ist der Tröster, der Beistand. Er schenkte mir eine Liebe zu Menschen, die mich zuvor nur gestresst oder geärgert hatten. Plötzlich sah ich sie durch Gottes Augen.
Jesus versprach seinen Jüngern:
„Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht.“ (Johannes 14,27; Elberfelder)
Diesen Frieden habe ich gefunden. Er ist nicht die Abwesenheit von Problemen, sondern die Anwesenheit Gottes inmitten der Probleme. Seitdem haben wir Wunder erlebt, „Zufälle“, die keine waren, und Bewahrungen, die uns heute noch staunen lassen. Gott hat uns durchgetragen, wo wir längst hätten untergehen müssen.
Warum die Taufe? – Das Begräbnis und die Auferstehung
Heute stehe ich hier am Taufbecken. Warum tue ich das? Warum ist dieser Ritus so wichtig?
Theologisch gesehen ist die Taufe ein öffentliches Bekenntnis zu dem, was innerlich bereits geschehen ist. Es ist ein Symbol des Sterbens und des Auferstehens. In der Taufe sage ich: Der alte Mann – der, der sich über Leistung definierte, der, der in der Leere lebte – ist mit Christus gestorben. Und der neue Mensch ist mit ihm auferstanden.
Paulus erklärt dies im Römerbrief sehr präzise:
„Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden sind, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“ (Römer 6,3-4; Elberfelder)
Ich lasse mich taufen, weil ich der Welt und der sichtbaren und unsichtbaren Welt zeigen will: Ich gehöre Jesus. Mein Leben ist nicht mehr mein Eigentum. Ich bin „teuer erkauft“ (1. Korinther 6,20).
Die Taufe ist mein Ja zu Gottes Ja. Es ist der Schritt des Gehorsams und des Vertrauens. Ich verstehe immer noch nicht alle Wege Gottes. Er ist allmächtig, er ist groß, und oft sind seine Gedanken weit über meinen Gedanken. Aber ich weiß jetzt, wem ich glaube.
„Denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und ich bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut bis auf jenen Tag zu bewahren.“ (2. Timotheus 1,12; Elberfelder)
Praktische Anwendung – Was bedeutet das für dich?
Lieber Leser, liebe Gemeinde, mein Zeugnis ist keine abgeschlossene Geschichte. Es ist eine Einladung an dich. Vielleicht findest du dich in Teilen meiner Erzählung wieder. Vielleicht bist du gerade in deinem „Dienstag des Zusammenbruchs“. Vielleicht fühlst du die Leere, obwohl du „erfolgreich“ bist.
Hier sind drei Dinge, die ich dir mitgeben möchte:
1. Hör auf zu jagen
Du kannst Gott nicht durch Leistung beeindrucken. Er liebt dich nicht wegen deiner Fotografie, deines Jobs oder deines Engagements im Verein. Er liebt dich, weil er dein Schöpfer ist. Lass das „Haschen nach Wind“ los und komm zu Jesus. Er sagt:
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäus 11,28; Elberfelder)
2. Vertraue dem Bund
Wenn du verheiratet bist oder in Gemeinschaft lebst: Wir sind nicht als Einzelkämpfer geschaffen. Gott wirkt durch Beziehungen. Sei ehrlich. Lass die Maske fallen. Sag wie ich: „Ich kann nicht mehr.“ Es ist der erste Schritt zur Heilung. Gott nutzt oft die Menschen an deiner Seite, um dir sein Herz zu zeigen.
3. Achte auf die „Zufälle“
Gott spricht. Er spricht durch sein Wort, durch Predigten, durch Lieder und sogar durch die Sätze unserer Partner. Sei aufmerksam. Wenn Gott ein Thema in deinem Leben wiederholt, dann deshalb, weil er deine Aufmerksamkeit möchte. Er sucht dich.
Ein Gebet der Hingabe
Ich schließe heute mit einer tiefen Dankbarkeit. Gott ist groß. Er hat mich aus der Grube der Sinnlosigkeit herausgeholt und auf festen Boden gestellt. Mein Leben ist heute nicht unbedingt „einfacher“, aber es hat ein Fundament, das nicht wackelt.
Ich möchte dich fragen: Wem vertraust du? Worauf baust du dein Leben?
Wenn du heute merkst, dass dein Fundament aus Sand besteht, dann wisse: Jesus Christus ist der Eckstein. Er ist bereit, dich aufzunehmen, so wie du bist – mit all deinem Stress, deinen Tränen und deinem Versagen.
Ich gehe gleich in dieses Wasser, und wenn ich untertauche, lasse ich meine Vergangenheit dort. Und wenn ich hochkomme, feiere ich das neue Leben, das er mir geschenkt hat.
Gott segne dich auf deinem Weg des Vertrauens. Er ist treu. Er ist allmächtig. Ihm allein gehört die Ehre.
„Dem Gott aber, der über alles hinaus unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder erdenken, gemäß der Kraft, die in uns wirkt, ihm sei die Herrlichkeit in der Gemeinde und in Christus Jesus auf alle Geschlechter hin von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (Epheser 3,20-21; Elberfelder)
Fragen zur persönlichen Reflexion:
- Die Leere identifizieren: Wenn du heute ehrlich zu dir selbst bist, was versuchst du mit „Leistung“ zu füllen? Wo spürst du den „Wind“, dem du nachjagst?
- Die Kraft der Schwachheit: Hast du Angst davor, schwach zu sein? Wie würde sich dein Leben verändern, wenn du Gottes Kraft in deiner Schwachheit Raum geben würdest?
- Gottes Reden erkennen: Gab es in letzter Zeit „Zufälle“ in deinem Leben – Sätze, die sich wiederholten, oder Momente, die dich tief berührt haben? Könnte Gott hier zu dir sprechen?
- Der Schritt des Vertrauens: Was hält dich davon ab, Gott so radikal zu vertrauen, wie es die Taufe symbolisiert? Welchen „alten Menschen“ müsstest du im Wasser lassen?
Möge dieses Zeugnis dir Mut machen, dein Leben ganz in die Hände dessen zu legen, der dich unendlich liebt. Amen.
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