Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist: Eine Andacht zu Psalm 34
Diese Andacht beleuchtet Psalm 34, einen Lobpreis Davids für Gottes rettende Macht und seine Güte. Sie ermutigt dazu, Gott in allen Lebenslagen zu preisen, seine Nähe zu suchen und zu erfahren, wie er die Niedergeschlagenen erhört und die, die ihn fürchten, beschützt.
Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist: Eine Andacht zu Psalm 34
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Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist: Eine tiefgehende Andacht zu Psalm 34
Einleitung: Wenn die Seele aus der Tiefe singt
Hast du dich jemals in einer Situation befunden, in der dein ganzer Stolz, deine Würde und deine Sicherheit in sich zusammengestürzt sind? In der dir nichts anderes übrig blieb, als dich „närrisch“ zu stellen, um zu überleben? Wenn wir Psalm 34 aufschlagen, begegnen wir keinem fernen, abstrakten Gedicht. Wir begegnen dem Schrei und dem Jubel eines Mannes, der dem Tod gerade noch so von der Schippe gesprungen ist.
Die Überschrift des Psalms in der Elberfelder Bibel (EB) gibt uns den historischen Kontext: „Von David, als er seinen Verstand verstellte vor Abimelech, und dieser ihn wegtrieb und er wegging.“ (Vgl. 1. Samuel 21,11-16). David war auf der Flucht vor Saul, landete ausgerechnet beim Feind in Gath und musste Wahnsinn vortäuschen, um sein Leben zu retten. Er sabberte in seinen Bart und kritzelte an die Tore – ein tieferer Fall für einen gesalbten König ist kaum vorstellbar.
Und doch, genau aus dieser Erfahrung der tiefsten Demütigung und der wunderbaren Bewahrung heraus, schreibt David diesen Psalm. Es ist ein „Alphabet-Psalm“ (ein Akrostichon), kunstvoll gestaltet, um uns eine Wahrheit tief ins Herz zu gravieren: Gott ist nicht nur ein ferner Herrscher, sondern eine erfahrbare Realität.
Diese Andacht lädt dich ein, mit David gemeinsam den Weg von der Angst zur Anbetung zu gehen. Wir werden die Verse des 34. Psalms tiefgehend betrachten, sie theologisch durchdringen und fragen, was es für dich heute bedeutet, die Güte Gottes zu „schmecken“.
Teil 1: Die Entscheidung zur Anbetung (Verse 2-4)
Das „Allezeit“ des Lobpreises
„Ich will den HERRN preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Mund sein.“ (Psalm 34,2)
David beginnt mit einem radikalen Entschluss: „allezeit“. Das hebräische Wort „eth“ meint hier nicht nur eine chronologische Abfolge, sondern jede erdenkliche Gelegenheit, jede Lebenslage.
Überlege dir, in welcher Verfassung David war, als er dies formulierte. Er war ein Flüchtling, ein Geächteter, ein Mann ohne festen Wohnsitz. Dennoch sagt er nicht: „Ich werde Gott preisen, wenn der Thron mein ist“, sondern „allezeit“. Theologisch gesehen ist Lobpreis hier kein Gefühl, sondern ein Akt des Willens. David entscheidet sich, Gott über seine Umstände zu stellen.
Für dich bedeutet das: Dein Lobpreis ist nicht abhängig von deiner Wetterlage. Wenn die Elberfelder Bibel sagt, sein Lob solle „beständig“ in seinem Mund sein, dann impliziert das eine bewusste Disziplin. Es geht darum, die Perspektive zu wechseln – weg von der Bedrohung durch „Abimelech“ (deine Probleme) hin zur Größe Gottes.
Das Rühmen der Seele
„In dem HERRN soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Gebeugten und sich freuen.“ (Psalm 34,3)
Sich zu rühmen (hebräisch halal, wovon sich Halleluja ableitet) bedeutet im Kern, „hell zu strahlen“ oder „tollpatschig vor Freude zu sein“. Es ist kein dezentes Nicken in Gottes Richtung. Es ist eine leidenschaftliche Identifikation mit Ihm.
Wer sind die „Gebeugten“ (EB)? Es sind die Anawim – die Demütigen, die Armen, diejenigen, die wissen, dass sie aus eigener Kraft nicht bestehen können. David weiß: Sein Zeugnis von Gottes Rettung ist kein Privatbesitz. Wenn du Gott in deiner Not preist, gibst du anderen, die ebenfalls am Boden liegen, eine neue Hoffnung. Dein Lobpreis ist ansteckend. Er schafft einen Raum, in dem andere Gebeugte aufatmen können.
Die Einladung zur Gemeinschaft
„Erhebet den HERRN mit mir, und lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen!“ (Psalm 34,4)
Theologisch sehen wir hier die soziale Dimension des Glaubens. David bleibt nicht allein. Er ruft eine Gemeinschaft der Erlösten zusammen. Den Namen des Herrn zu erhöhen bedeutet nicht, Gott größer zu machen, als Er ist (das ist unmöglich), sondern Ihn in deiner Wahrnehmung und in der Wahrnehmung der Welt an den richtigen Platz zu setzen: auf den Thron deines Lebens.
Teil 2: Das Zeugnis der Erhörung (Verse 5-8)
Die Befreiung von der Angst
„Ich suchte den HERRN, und er antwortete mir; und aus allen meinen Schrecken rettete er mich.“ (Psalm 34,5)
Dies ist das Herzstück des persönlichen Zeugnisses. David beschreibt einen Prozess: Suchen – Antworten – Retten. Das Suchen Gottes war in Davids Situation kein stilles Gebet in einer Kathedrale. Es war ein verzweifeltes Festhalten an der Verheißung Gottes inmitten von Feinden.
Beachte die Pluralform: „aus allen meinen Schrecken“. Es war nicht nur die Angst vor dem Tod, es war vielleicht die Angst vor dem Versagen, die Angst vor der Schande, die Angst vor der Einsamkeit. Gott antwortet nicht immer mit einer sofortigen Änderung der Umstände (David war danach immer noch auf der Flucht), aber Er antwortet mit einer Befreiung von der Lähmung durch die Angst.
Das Strahlen des Glaubens
„Sie blickten auf ihn und strahlten, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt.“ (Psalm 34,6)
Dies ist einer der schönsten Verse der Psalmen. Wer auf Gott blickt, spiegelt Sein Licht wider. Das Wort „strahlen“ (hebräisch nahar) beschreibt ein Leuchten, das von innen kommt.
Theologisch erinnert uns das an Mose, dessen Gesicht nach der Begegnung mit Gott glänzte (2. Mose 34). Wenn du deine Augen auf deine Probleme fixierst, wirst du von Sorge gezeichnet sein. Wenn du sie auf Gott fixierst, beginnt etwas von Seiner Herrlichkeit auf dich abzufärben. Die Elberfelder Bibel betont, dass sie „nicht beschämt“ werden. Scham ist das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder von Gott im Stich gelassen worden zu sein. David proklamiert: Wer auf Ihn schaut, wird niemals der Schande preisgegeben.
Der Engel des Herrn
„Dieser Elende rief, und der HERR hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er befreit sie.“ (Psalm 34,7-8)
David spricht hier von sich selbst in der dritten Person: „Dieser Elende“. Er erkennt seine eigene Bedürftigkeit an. Dann folgt die machtvolle Zusage: „Der Engel des HERRN“. In der alttestamentlichen Theologie ist der Engel des HERRN oft mehr als nur ein geschaffenes Wesen; es ist eine Theophanie, eine Erscheinung Gottes selbst (oft als der präexistente Christus gedeutet).
Er „lagert sich um die her“. Das Bild ist militärisch. Wie eine Armee, die ein Lager schützt, so umgibt Gottes Gegenwart dich. Du bist nicht allein im Niemandsland deiner Krisen. Es gibt eine unsichtbare Realität des Schutzes, die realer ist als die sichtbare Gefahr.
Teil 3: Die Einladung zum Experiment (Verse 9-11)
Schmecken und Sehen
„Schmecket und sehet, dass der HERR gütig ist! Glückselig der Mann, der auf ihn vertraut!“ (Psalm 34,9)
Hier erreichen wir den kulminierenden Punkt der Andacht. David lädt dich zu einer empirischen Erfahrung ein. Glaube ist für David keine bloße intellektuelle Zustimmung zu Dogmen. Es ist ein „Schmecken“.
Warum verwendet er diesen Sinn?
- Erfahrung ist unmittelbar: Du kannst nicht für jemand anderen schmecken. Du musst es selbst tun.
- Erfahrung ist genussvoll: Gott ist nicht nur „richtig“, Er ist „gütig“ (oder „freundlich“).
- Erfahrung sättigt: Was wir schmecken, wird Teil von uns.
Gott lädt dich ein: Probiere es aus! Tritt in eine Beziehung mit Ihm ein. Verlasse dich in einer konkreten Situation auf Ihn und beobachte, was passiert. Die „Glückseligkeit“ (Ascher) ist nicht ein oberflächliches Glücksgefühl, sondern ein tiefes, gottgeschenktes Wohlergehen desjenigen, der seine Zuflucht bei Ihm sucht.
Die Furcht des Herrn und der Mangel
„Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben, die ihn fürchten. Junge Löwen darben und hungern, aber die den HERRN suchen, entbehren kein Gut.“ (Psalm 34,10-11)
Hier begegnen wir dem Begriff der „Furcht des HERRN“. In der Elberfelder Bibel und im biblischen Kontext ist dies keine panische Angst, sondern eine heilige Ehrfurcht, ein Staunen vor der Größe Gottes, das zu Gehorsam führt.
Die Verheißung ist gewaltig: „keinen Mangel haben“. Bedeutet das Wohlstandsevangelium? Nein. David war oft hungrig und auf der Flucht. Aber er wusste: Gott ist die Quelle alles Guten. Wer Gott hat, hat alles, was er wirklich braucht. Sogar „junge Löwen“ – das Symbol für Kraft, Unabhängigkeit und Jagdgeschick – können hungern. Menschliche Autonomie und Stärke garantieren keine Sicherheit. Aber die Abhängigkeit von Gott garantiert, dass wir nicht ohne das Wesentliche bleiben.
Teil 4: Die Weisheit des Lebens (Verse 12-15)
Der Ruf des Lehrers
„Kommt, ihr Söhne, hört mir zu! Die Furcht des HERRN will ich euch lehren.“ (Psalm 34,12)
David wechselt nun den Ton. Vom jubelnden Beter wird er zum weisen Lehrer. Er möchte seine Erfahrung weitergeben. Er spricht uns als „Söhne“ (oder Kinder) an, was die Intimität und Verantwortung der geistlichen Unterweisung betont. Er möchte uns lehren, was es praktisch bedeutet, in der Furcht des Herrn zu leben.
Die Ethik des Lebens
„Wer ist der Mann, der Lust hat zum Leben, der Tage liebt, um Gutes zu sehen? Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor betrügerischer Rede; weiche vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,13-15)
Hier wird der Glaube praktisch. Die Furcht des Herrn zeigt sich in der Ethik des Alltags.
- Die Zunge: David weiß, wie viel Unheil Worte anrichten können. Ein Leben, das Gott ehrt, beginnt bei der Kontrolle der Kommunikation. Keine Lüge, kein Betrug.
- Die Tat: „Weiche vom Bösen und tue Gutes.“ Es reicht nicht, das Böse zu lassen; wir müssen aktiv das Gute suchen.
- Der Friede: Frieden (Schalom) ist kein passiver Zustand, sondern etwas, dem man „nachjagen“ muss. Es erfordert Anstrengung, Überwindung und Initiative.
Theologisch verbindet David hier Gottes Handeln mit menschlicher Verantwortung. Gottes Güte zu schmecken (Vers 9) führt logischerweise dazu, dass wir Sein Wesen in unserem Handeln widerspiegeln wollen. Petrus wird diese Verse später im Neuen Testament zitieren (1. Petrus 3,10-12), um zu zeigen, dass dieser Lebensstil auch für die Nachfolger Jesu Christi konstitutiv ist.
Teil 5: Der Gott der Zerbrochenen (Verse 16-23)
Gottes Aufmerksamkeit
„Die Augen des HERRN schauen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Schreien. Das Angesicht des HERRN ist gegen die gerichtet, die Böses tun, um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten.“ (Psalm 34,16-17)
Es gibt einen gewaltigen Trost in dem Gedanken, dass Gott uns sieht. Du bist kein anonymer Punkt in einem gleichgültigen Universum. Seine Augen sind auf dich gerichtet – nicht wie ein Polizist, der auf einen Fehler wartet, sondern wie ein liebender Vater, der über sein Kind wacht. Ebenso Seine Ohren: Er ist nicht schwerhörig gegenüber deinem Schmerz.
Gleichzeitig erinnert uns Vers 17 an die Heiligkeit Gottes. Das Böse hat keinen Bestand vor Ihm. Gottes Gerechtigkeit bedeutet auch, dass Er das Unrecht nicht ewig gewähren lässt.
Die Nähe im Schmerz
„Sie schreien, und der HERR hört, und aus allen ihren Bedrängnissen rettet er sie. Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, hilft er.“ (Psalm 34,18-19)
Dies sind vielleicht die tröstlichsten Worte der gesamten Heiligen Schrift. Die Welt zieht sich oft zurück, wenn Menschen „zerbrochen“ sind. Wir wissen nicht, wie wir mit Schmerz, Depression oder Versagen umgehen sollen.
Gott aber tut das Gegenteil: Er ist „nahe“. Das hebräische Wort für „zerbrochen“ (schabar) bedeutet „zertrümmert“, „in Stücke gegangen“. Wenn dein Leben sich anfühlt wie ein Scherbenhaufen, dann ist Gott nicht meilenweit entfernt, um darauf zu warten, dass du dich wieder zusammenflickst. Er ist genau dort, in den Trümmern. „Zerschlagener Geist“ beschreibt eine tiefe Demut und Hoffnungslosigkeit. Genau hier setzt Gottes Rettung an. Theologisch gesehen ist das die Vorwegnahme der Seligpreisungen Jesu: „Glückselig die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ (Matthäus 5,3).
Die Realität des Leidens und der endgültige Schutz
„Vieles ist das Unglück des Gerechten, aber aus dem allen rettet ihn der HERR. Er bewahrt alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen.“ (Psalm 34,20-21)
David ist Realist. Er sagt nicht, dass der Gerechte kein Unglück erfährt. Im Gegenteil: „Vieles ist das Unglück“. Christsein ist keine Versicherung gegen Leiden. Aber es ist eine Garantie für die Rettung mitten durch das Leiden hindurch.
Vers 21 hat eine tiefe prophetische Bedeutung. Wir finden die Erfüllung dieser Worte am Kreuz von Golgatha. Als die Soldaten den Gekreuzigten die Beine brachen, um den Tod zu beschleunigen, sahen sie, dass Jesus bereits tot war. „Damit die Schrift erfüllt würde: ‚Kein Bein von ihm wird zerbrochen werden.‘“ (Johannes 19,36). Gott bewahrt das Wesentliche. Selbst im Tod Christi blieb die Integrität Seines Opfers gewahrt. Für dich bedeutet das: Dein Leben mag gezeichnet sein von Narben, aber dein ewiges Fundament, deine Zugehörigkeit zu Gott, ist unantastbar.
Das abschließende Urteil
„Den Gottlosen wird das Unglück töten; und die den Gerechten hassen, werden es büßen. Der HERR erlöst die Seele seiner Knechte; und alle, die sich bei ihm bergen, werden nicht büßen.“ (Psalm 34,22-23)
Der Psalm endet mit einem starken Kontrast. Das Schicksal derer, die Gott ablehnen und den Gerechten hassen, ist die Selbstzerstörung durch ihr eigenes Unrecht. Aber für dich, der du dich bei Ihm „birgst“, gibt es ein anderes Ende: Erlösung. Sich zu bergen bedeutet, Zuflucht zu suchen (wie in einer Burg oder unter Flügeln). Wer bei Gott Schutz sucht, wird nicht verurteilt werden. Hier klingt bereits die neutestamentliche Wahrheit an: „Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ (Römer 8,1).
Teil 6: Theologische Reflexion – Gott erfahren in der Wüste
Psalm 34 lehrt uns eine fundamentale „Theologie der Erfahrung“. Wir können drei große Linien ziehen, die für dein geistliches Verständnis entscheidend sind:
1. Die Transzendenz und Immanenz Gottes
Gott ist der HERR (Jahwe), der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er ist heilig und souverän. Und doch ist Er „nahe den zerbrochenen Herzen“. In der Theologie nennen wir das die Spannung zwischen Transzendenz (Gott über uns) und Immanenz (Gott bei uns). Psalm 34 zeigt uns, dass Gottes Größe sich gerade darin offenbart, dass Er sich dem Kleinen zuneigt. Er ist kein Gott, der nur die Starken und Erfolgreichen liebt. Er ist der Gott, der im Staub von Gath bei einem sabbernden, verängstigten David steht.
2. Die Rolle des Leidens im Leben des Glaubenden
David verschweigt das Leid nicht. Er nennt es „Schrecken“, „Bedrängnisse“, „Unglück“. Der Glaube an Gott ist kein magischer Schutzschild, der verhindert, dass wir weinen. Aber er ist die Kraft, die uns durch die Tränen hindurch zum Lobpreis führt. Das Leiden im Psalm 34 ist der Ort, an dem die Güte Gottes „geschmeckt“ wird. Ohne Hunger kann man nicht schmecken; ohne Not kann man die Rettung nicht als solche erfahren.
3. Die Ethik als Frucht der Anbetung
Anbetung und Ethik gehören untrennbar zusammen. Wer Gott preist (Verse 2-4), muss seine Zunge bewahren (Vers 14). Man kann nicht „Schmecket und sehet“ rufen und gleichzeitig betrügerisch handeln. Unser Charakter ist das Testgelände für die Echtheit unseres Lobpreises. Die „Furcht des HERRN“ ist das Bindeglied zwischen der vertikalen Beziehung zu Gott und der horizontalen Beziehung zu unseren Mitmenschen.
Teil 7: Praktische Anwendung – Wie du heute „schmeckst und siehst“
Theologie ohne Praxis ist leer. Wie kannst du die Wahrheiten dieses Psalms in deinen Alltag integrieren? Hier sind vier konkrete Schritte für dich:
1. Die Entscheidung zum „Dennoch-Lobpreis“
Nimm dir vor, Gott gerade dann zu preisen, wenn dir nicht danach zumute ist. David pries Gott in der Höhle und auf der Flucht. Praktisch: Schreib dir drei Dinge auf, für die du Gott danken kannst, selbst wenn gerade alles schiefgeht. Sprich diese Dankbarkeit laut aus. „Ich will den HERRN preisen allezeit.“
2. Das Fixieren des Blickes
Worauf schaust du? Auf die Nachrichten? Auf deine Kontostände? Auf die Kritik deiner Mitmenschen? Praktisch: Wenn die Angst hochsteigt, bete Vers 6: „HERR, ich blicke auf dich. Lass mein Angesicht strahlen.“ Schalte bewusst Ablenkungen aus und lies in Gottes Wort, um Seinen Charakter neu vor Augen zu haben. Erinnere dich daran, dass Er sich um dich „lagert“.
3. Das Experiment des Vertrauens
Gott fordert dich heraus: „Schmecket und sehet!“ Praktisch: Gibt es einen Bereich in deinem Leben, in dem du Gott noch nicht voll vertraust? Vielleicht deine Finanzen, eine Beziehung oder deine berufliche Zukunft? Wage einen Schritt des Gehorsams. Vertraue Ihm eine konkrete Sorge an und handle so, als ob Er bereits die Kontrolle hätte. Beobachte, wie Er Seine Güte zeigt.
4. Die Sprache der Wahrheit und des Friedens
Überprüfe deine Worte. Sind sie von der „betrügerischen Rede“ (Vers 14) geprägt oder vom Frieden? Praktisch: Suche heute nach einer Gelegenheit, Frieden zu stiften. Halte deine Zunge zurück, wenn du eigentlich lästern oder dich rechtfertigen willst. „Jage dem Frieden nach“ – das erfordert manchmal, den ersten Schritt zur Versöhnung zu gehen, auch wenn du im Recht bist.
Teil 8: Inspiration für die Seele – Wenn das Herz brennt
Stell dir vor, du stehst mit David an diesem Strand in Gath. Du bist erschöpft, deine Kleider sind zerrissen, dein Ruf ist ruiniert. Aber in deinen Augen funkelt ein Licht, das die Welt nicht kennt. Warum? Weil du erfahren hast: Wenn alles wegbricht, bleibt Gott.
Das ist die Botschaft von Psalm 34 für dich. Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht stark sein. Du darfst ein „Elender“ sein, der schreit. Du darfst ein „zerbrochenes Herz“ haben. Gott verachtet dich nicht dafür. Er zieht sich nicht angewidert zurück. Er tritt näher.
Denk an Jesus Christus. Er ist der ultimative „Gerechte“, von dem dieser Psalm spricht. Er hat das tiefste Unglück erfahren. Er wurde zerschlagen für unsere Sünden. Aber der Vater hat Ihn gerettet – Er hat Ihn auferweckt. Und weil Jesus lebt, ist jedes Wort in diesem Psalm für dich ein Ja und ein Amen.
Wenn du heute die Güte Gottes „schmeckst“, dann ist das wie eine Vorschau auf das große Festmahl im Reich Gottes. Jeder Moment, in dem du Gottes Nähe in deiner Not spürst, ist ein Beweis dafür, dass Er dich nicht aufgegeben hat.
Abschlussgebet und Segen
Herr, mein Gott, ich danke dir für das Zeugnis Davids in Psalm 34. Danke, dass du ein Gott bist, den man schmecken und sehen kann. Ich bringe dir heute meine zerbrochenen Stellen, meine Ängste und meine Sorgen.
Hilf mir, meine Augen auf dich zu richten, damit mein Angesicht strahlt. Lehre mich die Furcht des HERRN, damit mein Leben von deiner Wahrheit und deinem Frieden geprägt wird. Danke, dass du dich um mich lagerst und mich befreist.
Ich entscheide mich heute neu, dich allezeit zu preisen. Denn du bist gütig, und dein Erbarmen währt ewiglich.
„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“ (4. Mose 6,24-26, EB)
Gehe hin in der Gewissheit: Er ist nahe. Er hört. Er rettet. Schmecke und sieh heute – Er ist freundlich.
Amen.
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