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Wenn niemand Gott sucht: Die Torheit der Gottlosigkeit und Gottes rettende Gnade in Psalm 14

Psalm 14 konfrontiert uns mit der traurigen Realität der menschlichen Gottlosigkeit und der universellen Sünde, die Gott leugnet. Doch inmitten dieser Dunkelheit offenbart er auch Gottes tiefes Verlangen nach seinem Volk und seine rettende Macht, die sich denen zuwendet, die ihn suchen. Diese Andacht ruft zur Besinnung auf und zum Vertrauen auf den Herrn, der Heil schafft.

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16.05

Wenn niemand Gott sucht: Die Torheit der Gottlosigkeit und Gottes rettende Gnade in Psalm 14

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Dies ist ein umfassendes theologisches Skript, das als tiefgehende Andacht oder Studienreihe konzipiert ist. Aufgrund der geforderten Wortzahl und Tiefe ist dieses Dokument in verschiedene exegetische und meditative Phasen unterteilt, die den gesamten Psalm 14 im Lichte der Gesamtschrift (besonders unter Berücksichtigung von Römer 3) beleuchten.


Wenn niemand Gott sucht: Die Torheit der Gottlosigkeit und Gottes rettende Gnade in Psalm 14

Ein theologisches Kompendium für die geistliche Besinnung

Einleitung: Der Spiegel der Seele und der Zustand der Welt

Du schlägst die Bibel auf, und dein Blick fällt auf Psalm 14. Vielleicht erwartest du einen sanften Trost, ein Wort der Ermutigung oder ein Loblied auf die Schöpfung. Doch was dich erwartet, ist eine anatomische Untersuchung des menschlichen Herzens unter dem göttlichen Skalpell. Psalm 14 ist kein "Wohlfühl-Psalm". Er ist eine erschütternde Diagnose. Er ist der göttliche Befund über den Zustand einer Welt, die sich von ihrem Schöpfer abgewandt hat.

In der heutigen Zeit, in der das Individuum zum Maßstab aller Dinge geworden ist, wirkt dieser Psalm wie ein Fremdkörper. Er spricht von "Torheit", von "Verderbtheit" und davon, dass "keiner ist, der Gutes tut". Das widerspricht unserem modernen Selbstbild des "eigentlich guten Menschen". Doch gerade hier liegt die therapeutische Kraft dieses Textes: Er zertrümmert unsere Illusionen, um Platz für die Wahrheit zu schaffen.

Wir werden uns in dieser Andacht Vers für Vers durch diesen Text arbeiten. Wir werden die hebräischen Begrifflichkeiten untersuchen, die dogmatischen Implikationen betrachten und schließlich die Brücke zu Jesus Christus schlagen, der die einzige Antwort auf das hier beschriebene Elend ist.


I. Die Diagnose der Torheit (Psalm 14,1)

„Der Tor spricht in seinem Herzen: Es ist kein Gott! Sie handelten verderblich, sie machten abscheulich ihr Tun; da ist keiner, der Gutes tut.“ (Psalm 14,1, EB)

1. Wer ist der „Tor“?

Wenn du das Wort „Tor“ hörst, denkst du vielleicht an jemanden mit einem niedrigen Intelligenzquotienten oder an einen Narren, der Witze reißt. Doch das hebräische Wort nabal beschreibt keine intellektuelle Schwäche, sondern eine moralische und geistliche Perversion. Ein nabal kann hochgebildet sein, ein gefeierter Akademiker oder ein erfolgreicher Geschäftsmann. Die Torheit, von der David hier spricht, ist die bewusste Entscheidung, die Realität Gottes aus dem eigenen Leben auszuklammern.

Es ist eine „praktische Gottlosigkeit“. Der Tor sagt nicht unbedingt in einer philosophischen Debatte: „Gott existiert nicht.“ Er spricht es „in seinem Herzen“. Das Herz ist nach biblischem Verständnis das Zentrum des Wollens, Denkens und Fühlens. Er lebt als ob es keinen Gott gäbe. Er entthront den Schöpfer und setzt sein eigenes Ego auf den Thron.

2. Die Konsequenz der Leugnung

Beobachte die Kausalkette im ersten Vers: Weil der Mensch Gott im Herzen leugnet, folgt daraus zwangsläufig: „Sie handelten verderblich, sie machten abscheulich ihr Tun.“ Ethik ohne Metaphysik ist auf Sand gebaut. Wenn es keinen transzendenten Richter gibt, vor dem wir uns verantworten müssen, wird die Moral zum Verhandlungsobjekt menschlicher Vorlieben.

Das Wort „verderblich“ (hischchith) erinnert uns an die Zeit vor der Sintflut (1. Mose 6,12), wo es heißt, dass alles Fleisch seinen Weg „verdorben“ hatte. Die Sünde ist keine bloße Schwäche, sie ist eine aktive Zersetzung der guten Schöpfungsordnung Gottes. Wenn du Gott loswirst, verlierst du nicht nur den Himmel, du verlierst auch deine Menschlichkeit.

3. Das radikale Urteil: „Da ist keiner, der Gutes tut“

Das ist ein harter Schlag für unser Ego. Meint Gott das ernst? Gibt es nicht viele Menschen, die spenden, helfen und freundlich sind? Hier müssen wir theologisch unterscheiden: Es gibt eine „bürgerliche Gerechtigkeit“, die vor Menschen Bestand hat. Aber vor dem heiligen Gott, der die Motive prüft, ist jede Tat, die nicht aus Liebe zu Ihm und zum Vertrauen auf Ihn geschieht, befleckt. Ohne Gott als Ziel und Ursprung fehlt dem „Guten“ das eigentliche Wesen.


II. Die göttliche Untersuchung (Psalm 14,2)

„Der HERR hat vom Himmel herabgeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger da ist, einer, der Gott sucht.“ (Psalm 14,2, EB)

1. Die Perspektive von oben

Stell dir diesen Moment vor. Gott wird hier anthropomorph (menschenähnlich) beschrieben: Er „schaut herab“. Das ist ein Motiv, das wir schon vom Turmbau zu Babel kennen (1. Mose 11,5). Die Menschen bauen ihre Reiche, sie fühlen sich groß und autonom. Und Gott? Er muss sich tief hinunterbeugen, um diese Ameisenhügel menschlichen Stolzes überhaupt zu sehen.

Nichts ist vor Seinen Augen verborgen. Du kannst deine Sünden vor deinem Ehepartner, deinem Pastor oder deinen Freunden verbergen. Aber Gott blickt hinter die Fassade. Er sieht nicht auf die religiösen Rituale, sondern Er sucht nach etwas Bestimmtem.

2. Die Suche nach dem „Verständigen“

Gott sucht einen maskil – einen Verständigen, einen Einsichtigen. Was definiert biblischen Verstand? Es ist nicht die Fähigkeit, komplexe Gleichungen zu lösen. Wahre Intelligenz ist nach Gottes Maßstab untrennbar mit der Suche nach Ihm verbunden. Wer Gott nicht sucht, ist – egal wie klug er sich dünkt – im biblischen Sinne unverständig. Er hat das wichtigste Axiom des Universums übersehen: „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis“ (Sprüche 1,7).

3. Das Kriterium: „Einer, der Gott sucht“

Prüfe dich selbst an dieser Stelle: Suchst du Gott? Oder suchst du nur den Segen Gottes? Suchst du Seine Hilfe in der Not, aber ignorierst Seine Herrschaft im Alltag? Gott sucht Menschen, deren tiefste Sehnsucht Er selbst ist. Die Tragik von Psalm 14 ist, dass die göttliche Suche ergebnislos zu bleiben scheint.


III. Das universelle Versagen (Psalm 14,3)

„Alle sind sie abgewichen, sie sind allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Psalm 14,3, EB)

1. Die Totalität der Sünde

Hier finden wir eine der stärksten biblischen Grundlagen für die Lehre von der „totalen Verderbtheit“ (Total Depravity). Beachte die Worte: „Alle“, „allesamt“, „keiner“, „nicht einer“. Es gibt keine Ausnahmen. Kein Mensch kann vor Gott treten und sagen: „Ich bin die rühmliche Ausnahme.“

Die Sünde ist kein lokaler Infekt; sie ist eine systemische Erkrankung der menschlichen Rasse. Wir sind nicht Sünder, weil wir sündigen; wir sündigen, weil wir im Kern unseres Wesens von Gott abgewichen sind.

2. „Abgewichen“ und „Verdorben“

Das hebräische Wort für „abgewichen“ (sar) beschreibt ein Abbiegen vom rechten Weg. Wir sind geistliche Deserteure. Das Wort für „verdorben“ (alakh) wird im Hebräischen oft für sauer gewordene Milch verwendet. Das Bild ist klar: Etwas, das ursprünglich gut und nahrhaft war (der Mensch als Ebenbild Gottes), ist unbrauchbar und ekelhaft geworden.

3. Die paulinische Rezeption

Spürst du die Schwere dieser Verse? Der Apostel Paulus greift genau diese Passage in Römer 3,10-12 auf, um zu beweisen, dass sowohl Juden als auch Griechen unter der Sünde sind. Psalm 14 ist das Fundament der Rechtfertigungslehre. Bevor wir das Evangelium (die gute Nachricht) verstehen können, müssen wir die schlechte Nachricht von Psalm 14 akzeptieren. Wir müssen vor dem Richterstuhl Gottes verstummen.


IV. Die Blindheit der Unterdrücker (Psalm 14,4-6)

„Haben keine Erkenntnis alle, die Frevel tun? Die mein Volk fressen, als äßen sie Brot; den HERRN rufen sie nicht an. Dort überfiel sie ein Schrecken; denn Gott ist bei dem Geschlecht des Gerechten. Das Vorhaben des Elenden wollt ihr zuschanden machen, aber der HERR ist seine Zuflucht.“ (Psalm 14,4-6, EB)

1. Die Irrationalität des Bösen

Vers 4 stellt eine rhetorische Frage: „Haben sie keine Erkenntnis?“ Gottlosigkeit führt zu einer tiefen Ignoranz gegenüber den geistlichen Realitäten. Die Gottlosen behandeln Gottes Volk mit einer beiläufigen Grausamkeit, so wie man Brot isst – ganz selbstverständlich, ohne Reue.

Wenn du die Geschichte betrachtest, siehst du dieses Muster immer wieder: Wenn Menschen Gott verleugnen, fangen sie an, Menschen zu fressen. Ob in totalitären Systemen oder in einem rücksichtslosen Kapitalismus – wo Gott nicht mehr als Richter gefürchtet wird, wird der Nächste zur Beute.

2. Der plötzliche Schrecken

Aber dann geschieht eine Wende (Vers 5). Mitten in ihrer vermeintlichen Sicherheit überfällt sie ein Schrecken. Warum? Weil sie plötzlich merken, dass sie nicht mit schwachen Menschen zu tun haben, sondern mit dem Gott, der hinter diesen Menschen steht. „Gott ist bei dem Geschlecht des Gerechten.“

Das ist eine gewaltige Verheißung für dich, wenn du unter Ungerechtigkeit leidest. Die Welt mag dich als „Elenden“ (Vers 6) bezeichnen, sie mag deine Pläne und dein Vertrauen auf Gott verspotten. Aber sie übersehen eines: Deine Zuflucht ist der HERR. Und wer die Zuflucht Gottes angreift, legt sich mit dem Allmächtigen an.

3. Der HERR als Zuflucht

Hier sehen wir den Kontrast:

  • Der Tor hat sein Herz.
  • Der Gottlose hat seine Gier.
  • Der Gerechte hat den HERRN.

Das Wort für Zuflucht (machaseh) beschreibt einen Ort der Sicherheit vor einem Sturm. In einer gottlosen Welt ist die Gemeinschaft mit Gott der einzige Ort, an dem du wirklich sicher bist – nicht unbedingt vor körperlichem Leid, aber vor der endgültigen Zerstörung deiner Seele.


V. Die Sehnsucht nach Erlösung (Psalm 14,7)

„Ach, dass doch aus Zion die Rettung für Israel käme! Wenn der HERR die Gefangenschaft seines Volkes wendet, wird Jakob frohlocken, Israel sich freuen.“ (Psalm 14,7, EB)

1. Der Schrei nach dem Messias

Nach der düsteren Diagnose der ersten Verse endet der Psalm mit einem sehnsuchtsvollen Gebet. David erkennt: Die Lösung für das Problem der universellen Sünde kann nicht von den Menschen kommen. Wenn alle verdorben sind, kann kein Mensch sich selbst oder andere retten. Die Rettung muss von außen kommen. Sie muss „aus Zion“ kommen – vom Ort der Gegenwart Gottes.

Dies ist eine messianische Erwartung. Als Christ wissen wir heute: Die Rettung ist aus Zion gekommen. In Jesus Christus ist Gott selbst in unsere verdorbene Welt herabgekommen, nicht nur um zuzuschauen (wie in Vers 2), sondern um zu retten.

2. Die Wendung der Gefangenschaft

Obwohl Israel zu Davids Zeit vielleicht nicht in physischer Gefangenschaft war, beschreibt dieser Begriff im Hebräischen (shuv shevut) oft eine grundlegende Wiederherstellung des Zustands. Es ist die Befreiung aus der Sklaverei der Sünde und der Gottesferne.

Wenn Gott eingreift, dann verwandelt sich die Klage in Frohlocken. Die Freude Israels ist keine oberflächliche Fröhlichkeit, sondern die tiefe Erleichterung eines Begnadigten, der weiß: Ich war verloren, aber ich wurde gefunden.


VI. Systematisch-Theologische Vertiefung

Um die Tiefe dieses Psalms für dein Leben voll auszuschöpfen, müssen wir drei zentrale theologische Themenbereiche betrachten, die hier mitschwingen.

1. Hamartiologie: Das Wesen der Sünde

Psalm 14 lehrt uns, dass Sünde mehr ist als eine Fehlhandlung.

  • Sünde ist Atheismus des Herzens: Jede Sünde ist für einen Moment eine Leugnung der Gegenwart Gottes. Wenn du sündigst, handelst du so, als ob Er nicht da wäre oder als ob Sein Urteil unwichtig wäre.
  • Sünde ist universell: Es gibt keine „edlen Wilden“ oder „unschuldigen Kinder“ im absoluten geistlichen Sinne. Wir alle tragen den Keim der Torheit in uns.
  • Sünde ist korrosiv: Sie zerstört soziale Beziehungen (das „Fressen“ des Volkes) und die persönliche Integrität.

2. Anthropologie: Der Mensch vor Gott

Wer bist du nach Psalm 14? Du bist jemand, auf den Gott herabschaut. Du bist ein Objekt göttlicher Untersuchung. Das ist einerseits beängstigend, weil Er alles sieht. Aber es ist auch eine Würdigung: Gott ignoriert die Menschenkinder nicht. Er interessiert sich für ihren Zustand. Der Mensch ist jedoch unfähig, sich aus eigener Kraft zu Gott zu wenden. Der Psalm sagt nicht: „Gott schaute herab und wartete, dass sie sich besserten.“ Er stellt fest, dass niemand Gott sucht. Das bedeutet: Wenn du heute Gott suchst, dann nur deshalb, weil Er dich zuerst gesucht hat. Deine Suche ist die Antwort auf Sein vorangehendes Wirken.

3. Soteriologie: Die Gnade der Rettung

Die Rettung kommt „aus Zion“. Das unterstreicht die Exklusivität und die göttliche Initiative. Wir können den Himmel nicht stürmen; der Himmel muss zu uns kommen. In der Elberfelder Bibel wird das Wort „Rettung“ oft mit dem hebräischen Jeschua assoziiert – dem Namen Jesu. Jesus ist die personifizierte Rettung aus Zion. Er ist der einzige „Verständige“, der Gott wirklich gesucht und Seinen Willen vollkommen getan hat. Er ist der einzige Gerechte inmitten einer korrupten Generation.


VII. Praktische Anwendung für dein Leben

Wie gehst du nun mit dieser schweren Kost um? Theologie ohne Praxis ist tot. Hier sind Wege, wie Psalm 14 dein „Du“ heute verändert:

1. Entlarve den „Toren“ in dir

Wir zeigen oft mit dem Finger auf die bekennenden Atheisten oder die bösen Menschen in den Nachrichten. Aber frage dich: In welchen Bereichen deines Lebens lebst du so, als gäbe es keinen Gott?

  • In deinen Finanzen? Vertraust du auf dein Bankkonto oder auf den Versorger?
  • In deinen geheimen Gedanken? Denkst du, sie seien verborgen, nur weil kein Mensch sie sieht?
  • In deinen Sorgen? Sorgen sind oft ein praktischer Atheismus, weil wir so tun, als ob Gott nicht die Kontrolle hätte. Bekenne diese Torheit. Erkenne an, dass du ohne Gottes Gnade genauso „verdorben“ wärst wie der Rest der Welt.

2. Habe Mitgefühl statt Überlegenheit

Wenn du verstehst, dass „keiner ist, der Gutes tut“, dann verlierst du deine moralische Überheblichkeit. Wenn du andere Menschen siehst, die in Sünde leben, dann siehst du in ihnen keinen „Feind“, sondern einen Leidensgenossen, der noch nicht die rettende Zuflucht im HERRN gefunden hat. Psalm 14 macht uns demütig. Wir sind nur Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt.

3. Suche Gott aktiv

Obwohl der Psalm sagt, dass von Natur aus niemand Gott sucht, ist dies nun dein Ruf nach der Wiedergeburt: Suche Ihn! Lass es nicht bei einem Lippenbekenntnis bewenden. Gott sucht den „Verständigen“. Widme dich dem Wort Gottes (der Elberfelder Bibel), vertiefe dich im Gebet und lebe in der Erwartung Seiner Gegenwart. Gott zu suchen bedeutet, Ihn zum Mittelpunkt deiner Prioritäten zu machen.

4. Vertraue in der Verfolgung und Bedrängnis

Vielleicht fühlst du dich wie das „Volk“, das von den Gottlosen „gefressen“ wird. Vielleicht wirst du an deinem Arbeitsplatz wegen deines Glaubens verspottet. Erinnere dich an Vers 5: „Gott ist bei dem Geschlecht des Gerechten.“ Du bist nicht allein. Die Welt mag deine Zuflucht (den HERRN) belächeln, aber am Ende wird der Schrecken diejenigen überfallen, die Gott ignoriert haben, während du in Seiner Freude frohlocken wirst.

5. Bete für die Rettung aus Zion

Nimm den letzten Vers als Gebetsanliegen: „Ach, dass doch die Rettung käme!“ Bete für deine Freunde, deine Familie und deine Stadt. Bete, dass Gott ihre „Gefangenschaft wendet“. Wir leben in einer Welt der geistlichen Gefangenen. Nur das Evangelium von Jesus Christus hat die Macht, diese Ketten zu sprengen.


VIII. Eine meditative Vertiefung: Der Blick des HERRN

Stell dir vor, du stehst auf einem weiten Feld. Über dir ist der endlose Himmel. In der Stille dieses Moments realisierst du: Der HERR schaut herab. Nicht mit einem Blick der hasserfüllten Verurteilung, sondern mit einem Blick der prüfenden Wahrheit.

Er sieht die Risse in deiner Fassade. Er sieht die Momente, in denen du versucht hast, ohne Ihn klarzukommen. Er sieht den Stolz, der sich als Bescheidenheit tarnt. Und während du dort stehst, unter Seinem Blick, spürst du vielleicht den Impuls, wegzulaufen, dich zu verstecken wie Adam im Garten Eden.

Doch Psalm 14 lädt dich ein, stehen zu bleiben. Ja, die Diagnose ist niederschmetternd: „Da ist keiner, der Gutes tut.“ Aber indem du das akzeptierst, brichst du aus der Torheit aus. Der Moment, in dem du zugibst: „Herr, ich bin dieser Tor ohne Dich“, ist der Moment, in dem die Weisheit beginnt.

In diesem Moment schaust du nicht mehr auf dich selbst, sondern du schaust nach Zion. Du siehst das Kreuz auf dem Hügel Golgatha – dort, wo die Rettung für Israel und für alle Völker vollbracht wurde. Dort hat der einzige Gerechte die Strafe für uns Toren auf sich genommen.

Der HERR schaut herab – und Er sieht Jesus Christus für dich. Und deshalb musst du nicht mehr vor Schrecken erbeben, sondern darfst „frohlocken“ und dich „freuen“.


IX. Die christologische Brücke: Von Psalm 14 zu Römer 3 und darüber hinaus

Um diesen Psalm in seiner ganzen theologischen Tragweite zu verstehen, müssen wir ihn durch die Linse des Neuen Testaments betrachten. Die Elberfelder Bibel gibt uns hier die Präzision, die wir brauchen.

1. Die Bestätigung der Diagnose (Römer 3,10-18)

Paulus zitiert Psalm 14 fast wörtlich. Er nutzt diesen Psalm als „Anklageschrift“ gegen die gesamte Menschheit. Warum ist das wichtig? Weil die Gnade nur für diejenigen süß ist, die wissen, dass sie verdammt sind. Psalm 14 ist das Gesetz, das uns die Sündhaftigkeit der Sünde vor Augen führt, damit wir zum Christus eilen.

2. Der wahre Verständige

In Vers 2 suchte Gott einen Verständigen und fand keinen. Doch Jahrhunderte später klang eine Stimme vom Himmel: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Matthäus 3,17). Jesus Christus ist derjenige, der Gott vollkommen suchte. Er ist die Antwort Gottes auf die Leere von Psalm 14. Wo wir abgewichen sind, blieb Er auf dem Weg. Wo wir verdorben waren, blieb Er heilig.

3. Die Umkehrung des Fluchs

Psalm 14 beschreibt eine Welt unter dem Fluch der Torheit. Jesus Christus nahm diesen Fluch auf sich. Er wurde am Kreuz wie ein „Tor“ behandelt, Er wurde „verlassen“, damit wir nie wieder verlassen sind. Die „Gefangenschaft“, von der Vers 7 spricht, wurde von Ihm besiegt, als Er die Gefangenschaft gefangen führte (Epheser 4,8).


X. Zusammenfassung und Gebet

Psalm 14 konfrontiert uns mit der hässlichen Realität unseres eigenen Herzens und der Welt um uns herum. Er lässt keinen Raum für menschlichen Stolz oder moralische Selbstgerechtigkeit. Er entlarvt die Torheit, Gott aus dem Leben zu streichen, und zeigt die verheerenden sozialen und persönlichen Folgen auf.

Doch er lässt uns nicht in der Verzweiflung zurück. Er weist uns den Weg zur Zuflucht im HERRN und weckt in uns die Sehnsucht nach der vollkommenen Rettung, die in Jesus Christus erschienen ist.

Ein Gebet zur Besinnung

Herr, mein Gott, ich beuge mich vor Deinem Wort. Ich bekenne Dir, dass ich oft wie der Tor in meinem Herzen gehandelt habe. Ich habe versucht, mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen zu führen und habe Dich an den Rand gedrängt. Danke für die schonungslose Wahrheit von Psalm 14, die mir die Augen für meine Bedürftigkeit öffnet. Danke, dass Du vom Himmel herabgeschaut hast – nicht nur um zu richten, sondern um in Deinem Sohn zu retten. Ich danke Dir, dass Du meine Zuflucht bist, wenn die Welt mich bedrängt. Bitte wende auch heute die Gefangenschaft in meinem Leben und im Leben derer, die mir am Herzen liegen. Schenke mir ein verständiges Herz, das Dich über alles andere sucht. Lass mich in der Freude Deiner Rettung leben und ein Zeuge Deiner Gnade in einer gottlosen Welt sein. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Nachwort für den Bibelleser

Wenn du diesen Psalm in den nächsten Tagen meditierst, achte auf die Zwischentöne. Achte darauf, wie oft das Wort „alle“ vorkommt und wie im Gegensatz dazu das „Volk Gottes“ und die „Gerechten“ stehen. Es gibt zwei Wege: den Weg der Torheit, der im Schrecken endet, und den Weg des Vertrauens, der im Frohlocken endet.

Möge der HERR dir die Gnade schenken, immer wieder die Zuflucht bei Ihm zu suchen. Verlasse dich nicht auf deinen eigenen Verstand, sondern auf Den, der vom Himmel herabschaut und dich mit ewiger Liebe liebt.

„Der HERR ist seine Zuflucht.“ (Psalm 14,6) – Lass dies dein Motto für den heutigen Tag sein. Egal, was kommt, egal, wer dich verspottet: Du bist beim Höchsten geborgen.


Ende des Skripts.

Dem Wort Raum geben – Tiefer gehen mit den PsalmenEpisode 14 von 50

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